Feministische Außen- und Entwicklungspolitik
Was bedeutet feministische Außen- und Entwicklungspolitik?
Feministische Außen- und Entwicklungspolitik bedeutet daher nicht nur, Frauen stärker einzubeziehen. Sie stellt Menschen in den Mittelpunkt politischer Entscheidungen und hinterfragt, welche Strukturen Ungleichheiten schaffen und wie diese verändert werden können.
Zentrale Fragen sind:
- Wer entscheidet? Wer ist an politischen Prozessen beteiligt?
- Wer hat Zugang? Wie werden Ressourcen und Chancen verteilt?
- Wer wird gehört? Welche Perspektiven fehlen?
- Wie können internationale Beziehungen gerechter gestaltet werden?
Hintergründe & Prinzipien
Weltweit gibt es unterschiedliche Definitionen und Ansätze. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Ziel, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung und die Beteiligung verschiedener Perspektiven stärker in politische Entscheidungen einzubeziehen. Feministische Außen- und Entwicklungspolitik hinterfragt bestehende Machtverhältnisse und setzt sich dafür ein, strukturelle Ungleichheiten abzubauen.
Die zentralen Prinzipien
Diversität
Der Fokus feministischer Außen- und Entwicklungspolitik liegt nicht ausschließlich auf Frauen, sondern auf allen marginalisierten Gruppen.
Handlungsfelder
Frauen, Frieden und Sicherheit
Sie macht deutlich: Frauen und marginalisierte Gruppen erleben Kriege und Konflikte anders und leisten wichtige Beiträge zu Frieden und Sicherheit.
Feministische Außenpolitik setzt sich deshalb dafür ein, dass Frauen gleichberechtigt an Konfliktprävention, Friedensverhandlungen und Wiederaufbauprozessen beteiligt werden.
Feministische Entwicklungszusammenarbeit
Sie berücksichtigt unterschiedliche Lebensrealitäten und fragt danach, welche Menschen und Gruppen durch bestehende Strukturen benachteiligt werden. Ihre Perspektiven sollen stärker in die Planung und Umsetzung entwicklungspolitischer Maßnahmen einfließen.
Frauenrechte und Gleichstellung sind zentrale Voraussetzungen, um globale Herausforderungen wie Armut, Hunger und soziale Ungleichheit nachhaltig zu überwinden.
Feministische Außen- und Entwicklungspolitik in der Praxis
Deutschland
2023 veröffentlichte das Auswärtige Amt die Leitlinien „Feministische Außenpolitik gestalten“. Gleichzeitig legte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Strategie für feministische Entwicklungspolitik vor. Beide Ansätze orientieren sich an den Prinzipien Rechte, Repräsentation und Ressourcen und zielen darauf ab, Geschlechtergerechtigkeit stärker in internationale Politik und Zusammenarbeit einzubeziehen.
Während eine feministische Außenpolitik ab 2025 offiziell nicht mehr weiterverfolgt wird, orientiert sich die internationale Zusammenarbeit weiterhin an geschlechtertransformativer Praxis.
Ausgewählte internationale Beispiele
Schweden führte 2014 als erstes Land weltweit eine feministische Außenpolitik ein. Der Ansatz stellte die Gleichstellung der Geschlechter, die Rechte von Frauen und Mädchen sowie ihre Beteiligung an politischen Entscheidungen in den Mittelpunkt. Nach einem Regierungswechsel wurde der Begriff „feministische Außenpolitik“ 2022 nicht weiterverfolgt.
Frankreich verfolgt seit 2019 eine feministische Außenpolitik („feministische Diplomatie“). Der Ansatz basiert auf der Internationalen Strategie für Gleichstellung der Geschlechter und umfasst unter anderem Frauenrechte, Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt und die Stärkung von Frauen in internationalen Prozessen.
Weitere Länder mit feministischen Ansätzen:
Luxemburg
Spanien
Niederlande
Slowenien
Kanada führte 2017 die Feminist International Assistance Policy (FIAP) ein und verankerte Geschlechtergerechtigkeit als zentralen Ansatz seiner Entwicklungszusammenarbeit.
Mexiko kündigte 2020 eine feministische Außenpolitik an und setzt sich insbesondere für Geschlechtergerechtigkeit in multilateraler Zusammenarbeit und Diplomatie ein.
Weitere Länder mit feministischen Ansätzen:
Chile
Kolumbien
Argentinien
Liberia
Liberia arbeitet daran, Geschlechtergerechtigkeit stärker in Außen-, Sicherheits- und Menschenrechtspolitik zu integrieren. 2025 veröffentlichte das Land eine Gender-Responsive Foreign Policy Roadmap.
Weitere Länder:
Ruanda (Beteiligung an internationalen FFP+-Prozessen)
Internationale Zusammenarbeit
Die Rolle von UN Women
Damit stehen zentrale Ziele feministischer Außen- und Entwicklungspolitik in engem Zusammenhang mit den Arbeitsbereichen von UN Women: die Stärkung von Frauenrechten, die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an politischen Prozessen sowie die Förderung ihrer wirtschaftlichen Chancen und Teilhabe.
Die UN-Agenda „Frauen, Frieden und Sicherheit“ ist dabei ein wichtiger internationaler Rahmen für die Arbeit von UN Women in Konflikt- und Krisensituationen.
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Weitere Informationen & Ressourcen