Equal Care und Equal Pay – höchste Zeit, die Lücken zu schließen!
Hier finden Sie die deutsche sowie die englische Aufzeichnung der Veranstaltung.
Mit dem Zusammenhang von Equal Care, Equal Pay und HeForShe haben sich internationale und nationale Expert*innen sowie die Teilnehmer*innen vor Ort und im Livestream intensiv auseinandergesetzt. In drei Workshops wurden die sich daraus ergebenden Forderungen an die Politik dynamisch diskutiert.
Julia Bläsius, Referatsleiterin Beratung, Friedrich-Ebert-Stiftung, berichtete, wie Krisen strukturelle Probleme verstärkten: Die Pandemie habe zu einer Retraditionalisierung geführt, so dass Frauen einen noch größeren Anteil an der Sorgearbeit als bisher ohnehin schon übernahmen. 60% der Frauen haben in den letzten zwei Jahren angegeben, dass sie überlastet seien, besonders auch Alleinerziehende. „Es braucht Veränderung mit Männern und es braucht strukturelle Veränderung“ betonte sie.
Ferner und Bläsius betonten die Erfolge der Nordischen Länder in dieser Hinsicht, so ist z.B. Island zum 13 Mal in Folge auf Platz 1 des WEF Gender Gap Reports. Von ihnen wollten wir lernen – was klappt bei ihnen gut, welche Fallstricke können wir meiden?
Die HeForShe Deutschland Botschafter und Moderatoren des Tages, Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, schlugen den Bogen zur Beteiligung von Männern an Equal Care. „Sorgearbeit ist auch ein Männerjob. Das bedeutet auch, mal bei der eigenen Karriere kürzer treten. Ohne wird es nicht gehen,“ merkte Speer an. Herr betonte: „Eine faire Verteilung von Sorgearbeit gelingt am besten, wenn Partner*innen gemeinsam planen, wie es gelingen kann. Diese ehrlichen Gespräche sind Grundlage für ein gerechtes Miteinander und heben auch die Beziehungen selber auf eine höhere Ebene.“
Männer sollten sich mit sich selber auseinander setzen und mit anderen Männern ins Gespräch gehen, so Herr und Speer. Es sei wichtig, aktiv zu werden. Sie stellten die HeForShe Bewegung vor, die einerseits herausstellt, dass es eine Sache der Fairness ist, wenn alle Geschlechter die gleichen Chancen bekommen, dass gleichzeitig aber auch Männer von mehr Gleichstellung profitieren. Heute solle es um die individuellen und die strukturellen Ebenen gehen.
Videogrußworte
Impulse zu Care Gap & Pay Gap
Valentina Patrini von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schilderte die aktuelle Situation des Gender Pay Gap und Ursachen wie die horizontale und vertikale Arbeitsmarktsegregation und die sogenannte Motherhood Penalty (Präsentation, direkter Download). “Governments have implemented a range of policies, over decades, to address the many factors driving the gender wage gap. But we still have not yet achieved pay equity. We need a comprehensive approach to achieve gender equality – in education, in paid and unpaid work, and in society as a whole.“, so ihre Kernaussage.
Paneldiskussion zu internationalen Lösungsansätze
Im Anschluss wurden diese Themen in den Workshops vertieft.
Workshops
Workshop 1: Equal Care
Workshop 2 : Equal Pay
Workshop 3: Männer und Sorgearbeit – HeForShe
Mögliche Forderungen wurden in den einzelnen Workshops lebhaft diskutiert und darüber abgestimmt, welche drei Forderungen die wichtigsten sind und später auf dem Panel präsentiert und diskutiert werden sollten.
Diskussion der Forderungen aus den Workshops
„Erwerbs- und Sorgearbeit gleichmäßig zu verteilen, ist Voraussetzung dafür, Ungleichheiten in der Gesellschaft abzubauen und die Entgeltlücke zu schließen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam für eine geschlechtergerechte Gesellschaft aktiv einsetzen und strukturelle Ungleichheiten beseitigen.“ erklärte Paus und kündigte weitere Maßnahmen gegen den Gender Pay Gap an. Gleichzeitig erwähnte sie, dass es der Koalition noch nicht gelungen sei, negative steuerliche Ansätze wie Ehegattensplitting und Minijobs zu überwinden. Allmendinger betonte u.a. dass neben dem Pay Gap auch das Volumen betrachtet werden müsse, ein geringer Pay Gap könne dennoch zu einem geringeren Lebens- und Renteneinkommen führen. Samúelsdóttir wies auf die Sanktionsmechanismen Islands hin und ermutigte Deutschland, diese auch einzuführen. Von Platen erwähnte die FPI-Studie zur Übertragbarkeit von Islands Gesetzgebung in andere Länder (die Studie finden Sie hier) – und dass idealerweise Unternehmen nachweisen sollten, dass sie fair bezahlten, nicht benachteiligte Arbeitnehmende klagen müssen. Eine weitere Forderung aus dem Workshop war eine kürzere Vollzeitarbeit von 30 Stunden als Normalarbeitszeit.
Die Forderungen des Workshops zu HeForShe – Männer und Sorgearbeit stellte Teuma vor. Paus stimmte zu und erwiderte, dass es aktuell auch besonders wichtig sei, eine 42h Woche zu verhindern sowie bei Tarifverhandlungen und Entlastungspaketen auch Frauen zu stärken. Vor- und Nachteile des Home-Offices für Vereinbarkeit wurden von Paus und Allmendinger aufgegriffen. Ferner wies auf unterschiedliche Arbeitskulturen hin, in den skandinavischen Ländern sei es selbstverständlich nach 16/17 Uhr zur Familie zu gehen. Dies müsse sich auch in Deutschland etablieren. Wir bräuchten mehr Männer in Führungspositionen, die dies vorleben. Politik, Unternehmen und Gewerkschaften müssten zusammenarbeiten, um Muster von Dauerpräsenzkultur zu verändern. Allmendinger betonte, Zertifizierungen wie das Audit Beruf und Familie müssten auch als harter Indikator abfragen, inwiefern Elternzeit u.a. für Väter ermöglicht würde. Altıntaş ergänzte, dass es wichtig sei, die Orientierungsrahmen junger Männer zu betrachten und es neben Maßnahmen zu geschlechterreflektierter Berufswahl z.B. auch wichtig sei, Gendermarketing zu verbieten.
Ausklang
Die Violinistin und Konzertkuratorin Lea Brückner läutete den anschließenden Empfang ein, bei dem sich die Expert*innen von Podium und Publikum weiter austauschten und sich vernetzten.
Weitere Fotos finden Sie hier. Bildrechte: UN Women Deutschland/Maren Strehlau.
Programm
| 14:00 – 14:20 Uhr: Begrüßung | |
| Elke Ferner, Vorsitzende UN Women Deutschland Julia Bläsius, Referatsleiterin Beratung, Friedrich-Ebert-Stiftung |
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| Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, HeForShe Deutschland Botschafter (Gesamtmoderation) | |
| 14:20-14:30 Uhr: Videogrußworte | |
| Olaf Scholz, Bundeskanzler Deutschland Guðni Th. Jóhannesson, Präsident Island |
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| 14:30-14:55 Uhr: Impulse zu Care Gap & Pay Gap | |
| Care Gap: Chidi King, International Labour Organization (ILO) Pay Gap: Valentina Patrini, Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) |
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| 14:55 – 15:25 Uhr: Internationale Lösungsansätze | |
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| 15:25 -15:30 Uhr: Raumwechsel | |
| 15:30 – 16:30 Uhr: Drei parallel stattfindende Workshops: | |
| Workshop 1: Equal Care Input von Mari Huupponen, Public Health Scientist bei der schwedischen Gewerkschaft der Kommunalbediensteten, moderiert von Sascha Verlan, Equal Care Day (ENG) |
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| Workshop 2: Equal Pay Input von Henrike von Platen/FPI Fair Pay Innovation Lab, moderiert von Stella Samúelsdóttir, Geschäftsführerin UN Women Ísland (ENG/DE – mit Dolmetschung) |
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| Workshop 3: Männer und Sorgearbeit – HeForShe Input von Fikri Anıl Altıntaş, HeForShe Deutschland Botschafter, moderiert von Nora Teuma, Vorstand UN Women Deutschland (DE) +++ Bitte achten Sie bei der Wahl Ihres Workshops auf die angebotenen Sprachen. +++ |
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| 16:30-17:00 Uhr: Kaffeepause | |
| 17:00-18:00 Uhr: Diskussion der Forderungen aus den Workshops | |
Wrap Up: Elke Ferner, UN Women Deutschland |
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| 18:00 Uhr: Ausklang und Empfang | |
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